Reynisfjara bei Vík í Mýrdal zählt zu den bekanntesten Orten Islands. Der schwarze Lavastrand, die Basaltsäulen und die Reynisdrangar-Felsnadeln vor der Küste haben den Strand weltberühmt gemacht — unter anderem als Drehort von Game of Thrones. Doch im Winter 2025/2026 hat die Natur den Strand grundlegend verändert.

Was ist passiert?

Ungewöhnlich anhaltende Ostwinde haben den schwarzen Sand über Monate westwärts Richtung Dyrhólaey getragen. Normalerweise wehen in Island Südwestwinde, die den Sand in die entgegengesetzte Richtung bewegen und den Strand natürlich auffüllen. Dieser Mechanismus fiel den gesamten Winter aus.

Anfang Februar 2026 kam es zusätzlich zu einem Hangrutsch unterhalb des Reynisfjall-Berges. Felsen und Geröll stürzten auf den Strand. Die Brandung bewegte Felsbrocken von bis zu zwei Tonnen über weite Strecken.

Wie schlimm ist es?

Sigurður Sigurðarson, Küsteningenieur der Isländischen Strassen- und Küstenverwaltung, sagt: «Ich habe noch nie Veränderungen dieser Grössenordnung an der Küstenlinie in diesem Gebiet gesehen.»

Auch Guðni Einarsson, dessen Familie den Strand seit sieben Generationen bewirtschaftet, bestätigt: «Das ist bei weitem das Grösste, was wir erlebt haben.»

Breite Sandflächen, auf denen Besucher noch vor wenigen Monaten spazierten, sind jetzt steile Erosionsklippen oder unter Wasser. Die Erosion hat die Warnschilder am Strandrand erreicht — selbst der Parkplatz ist gefährdet.

Was bedeutet das für Besucher?

Die Reynisdrangar-Felsnadeln und die Basaltsäulen sind weiterhin sichtbar — die Säulen stehen bei Flut allerdings jetzt direkt in der Brandung. Die Höhle Hálsanefshellir ist aktuell vom Meer abgeschnitten und nicht zugänglich.

Besucher werden derzeit zu den oberen Aussichtsplattformen geleitet. Der direkte Zugang zum Strand ist eingeschränkt. Vor einem Besuch lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Gefahrenstufe bei SafeTravel Iceland.

Die alte Regel gilt mehr denn je: Dreh dem Meer niemals den Rücken zu. Die Pufferzone aus Sand, die früher Zeit zum Ausweichen vor Sneaker Waves gab, existiert nicht mehr.

Erholt sich der Strand?

Experten sind vorsichtig optimistisch. Sigurður Sigurðarson betont, dass die Veränderung nicht durch den Klimawandel verursacht wurde — das Land hebt sich sogar durch den Rückzug der Gletscher. Der relative Meeresspiegel ist in vielen Gebieten Islands gesunken statt gestiegen.

Guðni Einarsson hofft: «Wir brauchen ein paar Wochen Westwind, dann kommt der Sand hoffentlich zurück.»

Allerdings zeigt die langfristige Entwicklung einen klaren Trend: Vor fünfzig Jahren lag die Küstenlinie rund 500 Meter weiter draussen.

Fazit

Reynisfjara bleibt ein spektakulärer Ort — gerade jetzt. Die rohe Kraft der Natur zeigt sich hier so deutlich wie selten zuvor. Wer den Strand in den kommenden Monaten besucht, sollte sich aber auf veränderte Bedingungen einstellen und die aktuellen Sicherheitshinweise beachten.