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10 gefährliche Fehler, die Island-Reisende immer wieder machen

Sneaker Waves an Reynisfjara, Selfies am Kraterrand, ohne Reserverad ins Hochland — Island verzeiht keine Leichtsinnigkeit. Diese 10 Fehler können deinen Urlaub ruinieren oder schlimmer.

Island ist atemberaubend, aber kein Vergnügungspark. Jedes Jahr werden Dutzende Touristen von der Küstenwacht gerettet, von Rettungsteams aus Gletscherspalten gezogen oder nach Autounfällen auf Schotterstrassen ins Spital geflogen. Die meisten dieser Vorfälle wären vermeidbar gewesen. Hier sind die 10 gefährlichsten Fehler und wie du sie vermeidest.

1. Den Wellen an Reynisfjara den Rücken zudrehen

Reynisfjara ist einer der schönsten Strände der Welt, aber auch einer der tödlichsten. Die sogenannten "Sneaker Waves" rollen ohne Vorwarnung bis zu 50 Meter weit den Strand hinauf. Sie sind schneller als du rennst, das Wasser ist 4°C kalt, und die Strömung zieht dich in Sekunden raus.

Regel: Nie näher als 30 Meter ans Wasser. Immer dem Meer zugewandt stehen. Keine Fotos am Wasserrand, denn kein Instagram-Post ist ein Menschenleben wert. Die Warnschilder stehen dort aus gutem Grund: Seit 2016 sind mindestens 4 Touristen hier gestorben.

2. Ohne Allrad auf F-Strassen fahren

F-Strassen (Fjallvegir) sind ungeteerte Hochlandstrassen, die nur im Sommer (ca. Juni bis September) befahrbar sind. Sie führen durch Flussdurchquerungen, loses Geröll und steile Pässe. Wer hier mit einem normalen Mietwagen unterwegs ist, bleibt garantiert stecken. Und die Versicherung zahlt keinen Cent.

Regel: F-Strassen nur mit 4×4 und Hochlandversicherung. Vor jeder Flussdurchquerung aussteigen, Tiefe prüfen und die richtige Spur wählen. Im Zweifel umkehren. Die Bergrettung (ICE-SAR) berechnet zwar nichts, aber die Abschleppkosten aus dem Hochland liegen schnell bei 300.000 bis 500.000 ISK (2.000 bis 3.500 EUR).

3. Das Wetter unterschätzen

Islands Wetter ist legendär unberechenbar. Innerhalb einer Stunde kann Sonnenschein in einen Schneesturm mit über 100 km/h Wind umschlagen. Besonders in den Westfjorden, im Hochland und auf den Bergpässen der Ostfjorde.

Regel: Jeden Morgen vedur.is checken (isländischer Wetterdienst). Die Strassenverwaltung road.is zeigt aktuelle Strassensperrungen.

Kleidung: Schichten! Thermounterwäsche, Fleece, wind- und wasserdichte Aussenschicht. Baumwolle ist tabu, denn sie wird nass und kühlt aus. Auch im Sommer Mütze und Handschuhe einpacken. Auf Gletschern und Bergpässen wird es selbst im Juli kalt.

4. Zu wenig Zeit einplanen

Der häufigste Planungsfehler: Island auf Google Maps anschauen und denken "sieht klein aus". Die Ringstrasse ist 1.322 km lang. Klingt machbar, aber die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 60 bis 70 km/h wegen einspuriger Brücken, Schafherden, Schotterabschnitten, Fotostopps und Wetter. Rechne doppelt so lange wie Google Maps anzeigt.

Richtwerte: Ringstrasse komplett: mindestens 7 bis 10 Tage. Golden Circle: 1 voller Tag. Südküste bis Jökulsárlón: 2 bis 3 Tage. Westfjorde: mindestens 3 Tage. Wer alles in 5 Tagen machen will, sieht nichts richtig.

5. Auf Moos und Vegetation treten

Das leuchtend grüne Moos, das Islands Lavafelder bedeckt, braucht 30 bis 100 Jahre zum Wachsen. Ein einziger Fusstritt hinterlässt eine Narbe, die Jahrzehnte sichtbar bleibt. 2019 ging Justin Bieber viral, weil er für ein Musikvideo über Moos bei Fjaðrárgljúfur walzte. Die Schlucht wurde danach zeitweise gesperrt.

Regel: Nur auf markierten Wegen bleiben. Nie auf Moos treten, liegen oder Drohnen darauf landen. Die Isländer nehmen das extrem ernst, es gibt Bussgelder und dein Guide wird dich zurechtweisen. Besonders am Eldhraun-Lavafeld, eines der grössten Moosfelder der Welt, gilt absolute Vorsicht.

6. In heissen Quellen verbrühen

Island hat unzählige natürliche heisse Quellen, aber nicht alle sind zum Baden. Einige erreichen 100°C, der Boden um Geothermalgebiete kann dünn sein und einbrechen. Im Hochtemperaturgebiet Hverir/Námaskarð am Mývatn sind die Schlammtöpfe 200°C heiss.

Regel: Nur in markierten, bekannten Hot Pots baden. Vor dem Einstieg Temperatur testen (Hand rein, nicht reinspringen). Die Temperatur kann sich je nach Zufluss ändern. Kinder nie unbeaufsichtigt lassen. In Geothermalgebieten wie Geysir, Námaskarð und Gunnuhver: IMMER auf dem Weg bleiben, der Untergrund kann ohne Vorwarnung einbrechen.

7. Keine Tankplanung im Hochland

Die nächste Tankstelle kann 200 bis 300 km entfernt sein. Besonders auf der Kjölur-Route (35), der Sprengisandur-Route (F26) und in den Westfjorden. Mobilfunk gibt es in weiten Teilen des Hochlands nicht. Wer mit leerem Tank liegen bleibt, ist wirklich auf sich allein gestellt.

Regel: Vor jeder längeren Strecke volltanken. Im Hochland einen Reservekanister mitführen (mindestens 10 Liter). Der Verbrauch eines 4×4 auf Schotterpisten liegt bei 12 bis 18 Liter pro 100 km, deutlich mehr als auf Asphalt. Immer genug Wasser und Snacks dabei haben.

8. Selfies an gefährlichen Stellen

Jedes Jahr fallen Touristen von Klippen, werden von Wellen erfasst oder verletzen sich an Wasserfällen, weil sie "noch ein bisschen näher" wollten für das perfekte Foto. Am Gullfoss gibt es keine Zäune an der Abbruchkante. Am Dyrhólaey-Leuchtturm weht der Wind stark genug, um dich umzuwerfen. Am Dettifoss, Europas mächtigstem Wasserfall, sind die Felsen nass und rutschig.

Regel: Hinter den Absperrungen bleiben. Kein Foto ist es wert. Drohnen nicht über Menschen fliegen lassen (viele Nationalparks verbieten Drohnen komplett). Am Diamond Beach: Eisberge können kippen. Nie draufklettern und nie zwischen Eisberg und Meer stehen.

9. Wild Campen ohne Vorbereitung

Seit 2017 ist Wild Camping in Island stark eingeschränkt. Ausserhalb offizieller Campingplätze ist es nur auf unbebauten Grundstücken erlaubt, und nur mit Erlaubnis des Landbesitzers. Am meisten unterschätzt: Island wird auch im Sommer nachts empfindlich kalt (3 bis 8°C), der Wind ist gnadenlos und Regen kommt horizontal.

Regel: Offizielle Campingplätze nutzen (die meisten kosten 1.500 bis 3.000 ISK pro Person). Ein windfestes Zelt ist Pflicht, nicht das leichte Festival-Zelt. Die Camping Card (ca. 15.000 ISK) deckt 28 Campingplätze ab und spart Geld ab dem 5. Übernachtungsort. Toiletten nur in Notfällen draussen. Leave no trace.

10. Isländische Pferde erschrecken

Islandpferde sind überall und unglaublich neugierig. Sie kommen von allein zum Zaun und sehen zum Streicheln einladend aus. Aber sie sind halbwild, können beissen und treten und erschrecken bei plötzlichen Bewegungen. Wer ein Pferd füttert (egal was), riskiert eine Kolik, die das Tier töten kann.

Regel: Nie füttern, auch kein Gras oder Brot. Langsam annähern, nicht hinter ihnen stehen. Tore immer schliessen. Hupen bei Pferden auf der Strasse bringt nichts. Langsam vorbeifahren, die bewegen sich in ihrem Tempo. Wer Islandpferde reiten will: nur bei seriösen Anbietern buchen.

Respekt vor der Natur = bester Schutz

Island ist kein gefährliches Reiseziel, aber ein unberechenbares. Die Natur ist hier nicht hinter Zäunen und Glasscheiben. Das macht die Faszination aus und verlangt Verantwortung. Wer die Warnschilder ernst nimmt, sich auf das Wetter vorbereitet und seinen gesunden Menschenverstand benutzt, wird eine der besten Reisen seines Lebens erleben.

Die wichtigsten Nummern: Notruf 112 (Polizei, Feuerwehr, Rettung). Strassenzustand: road.is. Wetter: vedur.is. SafeTravel-App: safetravel.is (Reisepläne registrieren).

Tipp: Die Iceland Explorer App zeigt dir Sicherheitsinfos, Strassenlinks und Wetter-Links direkt im Mehr-Tab. Damit du die wichtigsten Ressourcen immer griffbereit hast.

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